Wissenschaftsforum
Orientierungslosigkeit in der Gesellschaft - Gesine Schwan und Hans-Jochen Vogel diskutierten

17.04.2007 - Paderborn. Gut 500 Menschen verfolgten im überfüllten Auditorium des Heinz Nixdorf MuseumsForum die Diskussion zum Thema „Orientierungslosigkeit in der Gesellschaft“. Auf Einladung der Vorsitzenden des Wissenschaftsforums OWL, Ute Berg, waren Hans-Jochen-Vogel, Gesine Schwan, Bischöfin Maria Jepsen und Prof. Wilhelm Heitmeyer nach Paderborn gekommen.
Die Paderborner Bundestagsabgeordnete zeigte sich nach der Veranstaltung sehr zufrieden: „Wir haben gezeigt“, so Ute Berg, „dass es nicht nur Grund zum Jammern gibt, sondern auch Aufbruchstimmung herrscht“. Ausgangspunkt der Diskussion waren die Forschungsergebnisse des Bielefelder Pädagogen Wilhelm Heitmeyer. „Die Angst vor dem sozialen Abstieg nimmt in unserer Gesellschaft zu. Viele wissen nicht mehr, nach welchen Regeln in der Gesellschaft gespielt wird. Das verstört die Menschen“, stellte Heitmeyer fest. Die anderen Diskutanten stimmten Heitmeyer nur teilweise zu. Man müsse auch die positiven Entwicklungen sehen, meinte die Präsidentin Universität in Frankfurt/Oder Gesine Schwan: „Noch nie war das ehrenamtliche Engagement in unserer Gesellschaft so stark wie heute.“ Hans-Jochen Vogel erinnerte an eine Umfrage der Friedrich-Ebert-Stiftung: „Für 83 Prozent der Menschen in unserer Gesellschaft ist soziale Gerechtigkeit immer noch der wichtigste Wert. Um eine Gesellschaft, die so denkt, kann es so schlecht nicht bestellt sein.“
Bischöfin Jepsen ergänzte: „In meiner Heimatstadt Hamburg wachsen in den schwierigen Stadtteilen die kleinen Gruppen, die sich nicht mit ihrer Situation abfinden, sondern etwas dagegen tun. Wir haben auch Grund zur Zuversicht.“ Ute Berg setzt auf das Konzept des vorsorgenden Sozialstaats, das beim neuen Grundsatzprogramm der SPD eine zentrale Rolle spielt. “Wir dürfen nicht so lange warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist, sondern müssen vorher handeln. Die SPD setzt auf mehr Investitionen in Familien und Bildung. Schon im Kleinkindalter wollen wir damit beginnen dafür zu sorgen, dass alle die Fähigkeiten – z.B. Sprachkenntnisse - erwerben, die sie in unserer Gesellschaft brauchen. Nur dann können sie erfolgreich ihr Leben selbst in die Hand nehmen.“ Das Publikum beteiligte sich rege an der 2 ½-stündigen Diskussion. Über die große Resonanz freute sich Ute Berg sehr: „Ich denke, dass jeder auf seine Kosten gekommen ist und Anregungen und Denkanstöße mit nach Hause nehmen konnte.